Dienstag, 3. Februar 2009

Gastkommentar: ThoKa in Kalix

Wir haben Oli und Agi geholfen den Bus nach Norrbotten zu überstellen und haben gleich einen Urlaub daraus gemacht. Die Fahrt (Wien - Rostock -(Fähre) - Helsinki - Kalix hat auch "nur" drei Tage gedauert, aber wegen des langen Aufenthaltes auf der Fähre (31h) hatten wir genügend Zeit um uns zwischen den Autofahrten zu erholen. Die Nächte auf der Fähre waren wirklich erholsam. Als Anfahrtsweg in den hohen Norden ist das wirklich ans Herz zu legen, falls man beschließen sollte, mit dem Auto herauf zu fahren.

Die sechs Tage in Kalix nützen wir dazu um uns ein Bild der hiesigen Verhältnisse im Winter zu verschaffen. Ich war ja schon vier Mal im Sommer in Skandinavien, da wollte ich unbedingt auch die eisige Kälte erleben. Mit -20°C auf dem Sami-Markt in Jokkmokk bin ich "zufrieden", es war ausreichend kalt, brrrr! Ich kenne die Umgebung von Kalix aus dem Sommer und ich muss sagen, es ist jetzt schon ziemlich anders. Man kann über jedes sommerliche Wasser drüberspazieren, langlaufen, Skidoo fahren. Das machen die Schweden nämlich außerordenlich gerne! Mit einem ziemlichen Tempo (140 km/h) zischen die über den zugefrorenen Fluss. Ich bin eh auch schon mal hinten draufgesessen und kann sagen: Let's fetz'! Da kann der Tenora Karli seinen Porsche gleich wieder einpacken. Die Schweden verstehen das natürlich als Naturerlebnis, was nur partiell nachvollziehbar ist.

Aber abgesehen von Langlaufen und spazieren, verbringen wir die Zeit hier sehr gemütlich. Wir stehen spät auf ... Emil macht seine Eltern aber schon ab 6 Uhr munter. Dank der permanenten Minusgrade haben die Schweden es sich in den Häusern sehr gemütlich gemacht. Viel Holz und viel Licht und wenn Gäste erwartet werden, dann zünden sie Kerzen vor der Haustüre an.

In den ersten Tagen haben wir ja regelrecht einen Besuchsmaraton hingelegt. Es sind ja mittlerweile 15 österreichische ÄrztInnen hier heroben. Die versuchen natürlich die obengenannten schwedischen Gewohnheiten zu übernehmen. Wobei wir schon festgestellt haben, dass sich die Ö hier wie Einwanderer aus dem Süden verhalten (Rudelauftreten, Bilden von Subgesellschaften, wenig privaten Kontakt zu Eingeborenen). Letzt genanntes eher von den Eingeborenen selbst zu verantworten.

Als letzte Station stand noch der Sami-Markt in Jokkmokk auf dem Programm. Dort werden alle möglichen Notwendigkeiten, die der Winter im hohen Norden verlangt feil geboten. Rentierfelle, Snow-Scooter, Fellpatschen, Dolche, ... aber auch die gesamte chinesische Plastikpalette. Das Angebotene ist mit dem Neulengbacher Reserlmarkt vergleichbar. Es ist ja auch ein Jahrmarkt. Allerdings haben die Sami sich meiner Meinung nicht viel dabei gedacht, dass sie ihren Jahrmarkt justament dann abhalten müssen, wenn's draußen den kältesten Minus hat. Die einzige Logik dahinter wäre, dass sie durch die kalten Temperaturen leichter ihre warmen Felle und Patscherl etc. verkaufen. Da der Markt aber schon vor dem Tourismus stattfand, ist die Theorie eher zu vernachlässigen und lediglich festzuhalten, dass -20°C mir für einen ausgedehnten Marktbummel zu kalt waren und ich daher nur meinen Einkaufszettel abgearbeitete habe (Lammfellpatscherl, Rentier-'Kebap').
Es war aber ein eindrucksvolles Erlebnis und auch gleich die Möglichkeit die Kältetauglichkeit des eigenen Gewandes zu testen. Die Waldviertler Schuhe sollten lieber in ihrem kinderpopo-warmen Waldviertel bleiben, in Nordskandinavien bekommt man nämlich Eiszapferl mit denen.
Danke für den Gastfreundlichkeit liebe AEOs. Ich kann mir vorstellen, dass ihr jetzt nach 3 Monaten Ö und 1 Woche mit uns froh seit in trauter Dreisamkeit zu verweilen und euch auf euer Zuhause konzentrieren könnt.

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